Albrecht Kowalsky - Der Erzähler

 

1948 waren die Lehrstellen dünn gesät, aber ich hatte großes Glück, dass da jemand in meine Volksschule kam als ich 15 Jahre alt war. Der hat sich dann da hin gestellt und gefragt, wer denn wohl Lust hätte, eine Ausbildung zu machen. Ich hab mich sofort gemeldet. „Willst Du denn lieber in einer Spinnerei in Ochtrup arbeiten oder eher auf der Zeche?“, hat er gefragt. Da auf der Zeche mehr Geld zu verdienen war, fiel mir die Entscheidung nicht schwer. 

Ich hab' die Schule dann also in der 9. Klasse verlassen, um auf der Zeche „Matthias Stinnes ¾“ in Gladbeck eine 3-jährige Ausbildung zum Berglehrling zu machen. 

 

Nach der Abschlussprüfung war ich „Knappe“ und nach einer gewissen Zeit „Lehrhauer“. 

 

Jetzt war das ja so, dass man im ersten Jahr als Lehrhauer nicht den vollen Lohn bekam, sondern 10% weniger, im zweiten Jahr gab es nur noch einen 7,5%igen Abzug und im dritten 5%. Das blieb quasi bis ans Lebensende so. Manch einer mag das ja heute nicht mehr nachvollziehen können, dass es so was gab, aber das war natürlich auch ein Anreiz, einen Hauerkurs zu besuchen. Denn dann sah die Geschichte wieder ganz anders aus. Nach Abschluss der Hauerprüfung bekam man den vollen Lohn. Die Prüfung hab' ich natürlich gemacht. 

 

Ich wollte zusätzlich noch eine Schießmeisterprüfung machen, um weiter voranzukommen. Man nannte das auch „Sprengmeister“ oder „Sprengbeauftragter“. Das war alles das gleiche und man hatte mit gefährlichem Material zu tun. Also brauchte man als Anwärter ein polizeiliches Führungszeugnis und einen guten Leumund. Die Art und Weise der weiteren „Nachforschungen“, ob man als zukünftiger Schießmeister überhaupt geeignet ist, sind im 21. Jahrhundert undenkbar, aber damals war das ganz normal, dass die Nachbarn befragt wurden, wie man denn so ist. Außerdem kam die Polizei zu uns nach Hause, um meine Frau Waltraud zu fragen, ob ich ein guter Ehemann sei und sie gut behandele. Das Ergebnis: Meiner Zulassung zur Anwartschaft auf die Schießmeisterprüfung stand nichts im Wege! 

 

In meiner über 40-jährigen Tätigkeit habe ich es schließlich bis zum stellvertretenden Reviersteiger gebracht, aber als ich noch als Knappe auf der Zeche eingesetzt war, passierte folgendes … [klicken Sie bitte hier]

 

 

Im Jahre 1950 hat's gefunkt - Goldhochzeit bei Albrecht und Waltraud Kowalsky

 

„Goldhochzeit konnten am Wochenende Waltraud Kowalsky, geb. Hussmann und Albrecht Kowalsky feiern. Beide wurden im Gladbeck geboren und lernten sich Rosenmontag 1950 beim Tanzen kennen. Es war zwar die Liebe auf den ersten Blick, geheiratet wurde aber erst 1955 in Gladbeck. Im Juli 1960 erfolgte der Umzug nach Kamp-Lintfort, wo Albrecht Kowalsky im Untertagebetrieb der Schachtanlage Rossenray Beschäftigung fand. 1971 wurde er Steiger und trat 1987 in den Vorruhestand. Mitglied in der SPD wurde Albrecht Kowalsky 1972. Dem Rat gehörte er von 1979 bis 1999 an. Dann stellte er sich nicht mehr zur Wahl. Er ist Träger der Ehrenrings der Stadt und Mitglied der Awo seit 1973. Waltraud Kowalsky lernte Kinderpflegerin und wurde auch in Kamp-Lintfort eingesetzt. Beide sind aktiv im Seniorenheim. Zur Familie gehören ein Sohn, eine Schwiegertochter, eine Tochter mit ihrem Lebensgefährten und ein Enkelkind. Schwimmen und Reisen sind ihre großen Hobbys und Albrecht widmet sich noch dem Fotografieren.“

„Ihr großes Ehejubiläum feierten die beiden jetzt im Haus Baaken. Zu den Gästen zählten unter anderen der Landtagsabgeordnete Wolfgang Roth, Bürgermeister Dr. Christoph Landscheidt und der Erste Beigeordnete Dr. Christoph Müllmann. Bürgermeister Landscheidt lobte in seiner Ansprache vor den zahlreichen Gästen das soziale Engagement der beiden Jubilare für die Stadt und wünschte ihnen noch viele gemeinsame Jahre bei guter Gesundheit.“

 

(Quelle: Presseinformation der Stadt Kamp-Lintfort vom 15.03.2005)